Rentenreform 2026: Das kann auf uns zukommen

Auf einen Blick: Die Rentenkommission (Alterssicherungskommission) hat weitreichende Vorschläge für eine Rentenreform vorgelegt. Im Zentrum stehen aus Leistungssicht drei große Einschnitte: Die Regelaltersgrenze soll dynamisch an die Lebenserwartung gekoppelt werden und schrittweise über 67 Jahre hinaus angehoben werden. Die abschlagsfreie Rente für besonders langjährig Versicherte nach 45 Beitragsjahren soll vollständig entfallen. Gleichzeitig soll die Altersgrenze für die Rente für langjährig Versicherte (35 Versicherungsjahre) von 63 auf 64 Jahre steigen. Noch ist nichts Gesetz – doch die Koalition aus CDU/CSU und SPD orientiert sich an diesen Empfehlungen. Die aktuelle politische Diskussion und die Veränderung an der Spitze des BMAS nach dem Rücktritt der Bundesministerin Bärbel Bas lassen derzeit vermuten, dass die Reform in das Jahr 2027 aufgeschoben wird.

Dieser Artikel wurde zuletzt aktualisiert im Oktober 2026.

Worum geht es bei der Rentenreform 2026?

Deutschland steht vor einem möglicherweise historischen Umbau der Alterssicherung. Die Reformvorschläge der Alterssicherungskommission aus Juni 2026 läuten einen Systemwechsel zumindest im Bereich der Finanzierung ein. Neben mehr Beitragszahlern (“Erwerbstätigenversicherung”)  und dem Einstieg in den Aktienmarkt (“Kapitalrente”) werden aber auch – wenig überraschend – Änderungen bei den Leistungsregelungen, vor allem den Altersrenten vorgeschlagen. Dieser Beitrag soll allein die Vorschläge zur Altersrente beleuchten.

Späterer Rentenbeginn

Drei Empfehlungen betreffen besonders viele Menschen, die heute noch im Berufsleben stehen und es gar nicht mehr so weit bis zur Rente haben: die Anhebung der Altersgrenzen in Koppelung an die statistische Lebenserwartung, die geplante Streichung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren und die Anhebung des Eintrittsalters mit Abschlag von 63 auf 64. Beide Punkte haben konkrete Auswirkungen auf die persönliche Rentenplanung.

Wenn Sie über 60 Jahre alt sind, genießen Sie unter Umständen Vertrauensschutz in die bestehende Rechtslage- prüfen Sie also mit unserem Rentenbeginn-Rechner, ob Sie schon einen Rentenanspruch haben könnten, auch wenn Sie noch berufstätig sind. Wenn Sie noch 15 oder 20 Jahre bis zum Ruhestand haben, muss sich Ihre Planung sehr wahrscheinlich ändern.

Dieser Beitrag soll der ersten Orientierung dienen und helfen, die eigene Situation einzuornden.

Über die Autorin: Claudia Mößner

Qualifiziert und gerichtlich registriert: Claudia Mößner ist Diplom-Verwaltungswirtin (FH), gerichtlich registrierte Rentenberaterin nach § 10 RDG und registrierte Erlaubnisinhaberin mit Alterlaubnis. Seit 2002 ist sie als Rentenberaterin tätig und auf das Sozialversicherungsrecht mit Schwerpunkt Rentenversicherung spezialisiert.

Neben ihrer Tätigkeit in eigener Kanzlei hat sie gemeinsam mit dem Rentenberater Norbert Loos RentenExperts gegründet, um die professionelle Begleitung von Rentenanträgen auch deutschlandweit anbieten zu können.

Generelle Anhebung der Altersgrenzen: Was konkret geplant ist

Regelaltersgrenze steigt möglicherweise ab 2032 schrittweise an

Bisher gilt, dass der Jahrgang ab 1964 die Regelaltersgrenze mit 67 erreicht hat und ab dann in die Rente gehen kann, § 35 SGB VI. Voraussetzung sind lediglich fünf Beitragsjahre. Daran ändert sich zunächst nichts. Die Rentenkommission empfiehlt jedoch, das Renteneintrittsalter ab 2032 – also rechnerisch erstmals für Jahrgang 1965 – an die Lebenserwartung zu koppeln und diese Grenze anzuheben.

Künftig sollen bei steigender Lebenserwartung zwei Drittel des Lebenszeitgewinns in eine längere Erwerbsphase fließen und nur ein Drittel kommt der Rentenphase zugute kommen. In der Praxis bedeutet das nach (unserer) derzeitigen Einschätzung eine Staffelung von einem zusätzlichen Monat je zwei Jahrgänge:

JahrgangRegelaltersgrenze (Einschätzung)
196467 Jahre, 0 Monate
196567 Jahre, 1 Monat
196667 Jahre, 1 Monat
196767 Jahre, 2 Monate
196867 Jahre, 2 Monate
196967 Jahre, 3 Monate
197067 Jahre, 3 Monate
197167 Jahre, 4 Monate
197267 Jahre, 4 Monate
197367 Jahre, 5 Monate
197467 Jahre, 5 Monate
197567 Jahre, 6 Monate
197667 Jahre, 6 Monate

Diese Tabelle bildet den aktuellen Stand der Kommissionsempfehlung ab. Ob die Staffelung tatsächlich so moderat ausfällt, ist offen. Auf Grund der aktuellen politischen Diskussionen ist auch mit einem späteren Start der Anhebung zu rechnen.

Vorgezogene Altersrente für langjährig Versicherte: Eintrittsalter steigt von 63 auf 64

Die Altersrente für langjährig Versicherte setzt eine Wartezeit von 35 Jahren voraus, also 35 Jahre mit rentenrechtlichen Zeiten in der gesetzlichen Rentenversicherung (nicht nur Beitragsjahre). Die Rentenkommission empfiehlt, das aktuell frühestmögliche Eintrittsalter von 63 Jahren (§ 36 SGB VI) für diese Rentenart zeitnah auf 64 Jahre anzuheben. Anschließend soll die Altersgrenze parallel zur (neuen) dynamischen Regelaltersgrenze steigen und immer einen Abstand von drei Jahren zum Regelalter haben.

Für die betroffenen Jahrgänge könnte die Staffelung also wie folgt aussehen:

JahrgangNeues Eintrittsalter (Einschätzung)
196463 Jahre, 0 Monate
196563 Jahre, 2 Monate
196663 Jahre, 4 Monate
196763 Jahre, 6 Monate
196863 Jahre, 8 Monate
196963 Jahre, 10 Monate Ja
197064 Jahre

Wahrscheinlich beginnt die Anhebung aber erst später. In Betracht kommen hier die Jahrgänge 1968 / 1969. Das sind heute noch 58-Jährige, die erstmals in 5 Jahren von der vorgezogenen Altersrente profitieren könnten. Dieser Zeitraum galt zumindest bisher regelmäßig als rentennahe Phase – und damit als besonders schutzwürdig. Allerdings gibt es keine verfassungsrechtliche Notwendigkeit, einen bestimmten Abstand einzuhalten, dem Gesetzgeber wird nach dem Bundesverfassungsgericht ein großer Spielraum eingeräumt.

Altersrente für schwer behinderte Menschen, vermutlich Anstieg auf 63

Auch wenn dies so nicht konkret in den Vorschlägen zur Rentenreform 2026 ausgeführt wird, ist auch mit einer ähnlichen Anhebung der Altersgrenze für schwer behinderte Menschen zu rechnen. Diese können nach dem aktuellen Stand zumindest ab dem 62. Lebensjahr bereits ein Altersente auslösen. Es wäre keinesfalls überraschend, wenn auch hier eine Anhebung, dann vermutlich auf das 63. Lebensjahr parallele zur Altersrente für langjährig Versicherte erfolgen würde. Unsere Vermutung ist dabei, dass dies für die Geburtsjahrgänge ab 1969 / 1970 relevant werden kann.

Altersrente für besonders langjährig Versicherte wird abgeschafft

So zumindest der Vorschlag der Kommission. Die abschlagsfreie Rente für besonders langjährig Versicherte (§§ 38, 236b SGB VI) ermöglicht heute einen vorzeitigen Renteneintritt ohne Abzüge, wenn 45 (“spezielle”) Beitragsjahre in der gesetzlichen Rentenversicherung nachgewiesen werden.

Obwohl inzwischen die abschlagsfreie Altersrente kaum noch vor dem 65. Lebensjahr in Anspruch genommen werden kann (siehe Rentenbeginn-Rechner oben), spricht man noch immer von der “Rente mit 63”, eine nach unserer Meinung irre führende Beschreibung.

Die Rentenkommission empfiehlt aber, diese Rentenart vollständig abzuschaffen. Möglicherweise wird eine Art Härtefallregelung für Menschen, die ihren zuletzt dauerhaft ausgeübten Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben können, eingeführt.

Ab wann soll die “Rente mit 63” abgeschafft werden?

Unsere Einschätzung: Der Wegfall dürfte frühestens für Jahrgang 1967 / 1968 kommen. Aber das ist reine Spekulation unter Beachtung bisheriger Erfahrungswerte, welche Jahrgänge als rentennah eingestuft wurden (5-Jahres-Abstand).

Womöglich führen aber die aktuellen Diskussionen auch zu einer schrittweisen Anhebung der Altersgrenze und nicht zum plötzlichen Wegfall der gesamten Rentenart. Auch eine Straffung der Voraussetzungen wäre denkbar, zum Beispiel dass freiwillige Rentenbeiträge nicht mehr auf die 45 Jahre angerechnet werden – ein Rechtsstand, der übrigens bis 30.06.2014 bestand. Erst seit dem 01.07.2014 werden im Wege des RV-Leistungsbesserungsgesetz (BGBl. I 2014, Nr. 27 vom 25. Juni 2014) auch freiwillige Beiträge (selbst Mindestbeiträge) auf die 45 Jahre angerechnet.

Vertrauensschutz: Wer ist geschützt?

Verfassungsrechtlich ist der Gesetzgeber verpflichtet, Vertrauensschutz zu gewähren. Wer bereits konkrete Schritte auf Basis der geltenden Regelungen unternommen hat – etwa eine Altersteilzeitvereinbarung geschlossen hat – darf nicht ohne Weiteres schlechter gestellt werden.

Aus früheren Reformen kennen wir solche Stichtagslösungen, zuletzt der Stichtag 01.01.2007 bei der Einführung der Rente ab 67. Ob und wie eine Altersteilzeitvereinbarung im Einzelfall schützt, hängt vom genauen Abschlusszeitpunkt und den konkreten Konditionen der ATZ ab.

In einem ersten Vorschlag des BMAS aus August 2026 wird augenscheinlich den Geburtsjahrgängen bis einschließlich 1971 ein Vertrauensschutz eingeräumt, wenn diese bis zu einem heute noch unbestimmten Stichtag eine ATZ vereinbart haben. Diese erste Vorschlag ist aber noch nicht einmal in die politische Beratung gelangt, zeigt aber, dass die rechtzeitige Vereinbarung einer ATZ sehr wahrscheinlich (erneut) sehr bedeutsam werden kann.

Irrige Vorschläge aus dem Internet – Nur ATZ scheint hilfreich zu sein

Aktuell liest man viele andere Vorschläge im Internet: Eine aktuelle Rentenauskunft anfordern, jetzt schon einen Rentenantrag stellen, Aufhebungsverträge schließen, der Deutschen Rentenversicherung schreiben, dass man auf das aktuelle Recht vertraut etc.

Gut, man weiß nie, welche Gründe der Gesetzgeber als vertrauenswürdig einstufen wird – aber der Blick auf die Reformen seit “immer”  zeigt deutlich, dass meist arbeitsrechtliche Dispositionen einen Vertrauensschutz-Tatbestand bedingt haben. Und dazu zählten bisher immer Altersteilzeitvereinbarungen nach dem Altersteilzeitgesetz, vgl. §§ 235 ff SGB VI.

Selbst Vorruhestandsverträge oder andere Sozialplangestaltungen, die noch in den 1990er Jahren eine Rolle bei Rechtsänderungen im Rentenrecht spielten, haben zumindest seit 2007 nicht mehr gegriffen, das Anfordern einer Rentenauskunft sowieso nicht – da diese eben nur den aktuellen Rechtsstand widergibt, § 109 SGB VI – und das in letzter Zeit sogar falsch und unvollständig.

Rentenantrag vorab stellen?

Einen Rentenantrag weit vor dem eigentlichen Rentenbeginn zu stellen wird auch ins Leere laufen, es gilt stets das Recht am Tag des Rentenbeginns, § 300 SGB VI. Wobei: Nach § 300 Absatz 2 SGB VI besteht für eine kurze Zeit nach Inkrafttreten einer Rechtsänderung noch die Möglichkeit, nach dem alten Rechtsstand “behandelt” zu werden – was aber von Vorneherein nur möglich ist, wenn schon vor der Rechtsänderung ein Rentenanspruch bestanden hat. In der Praxis geht es hier eher um die Frage, wie die Rente berechnet wird (zum Beispiel bei Änderung der Bewertung einzelner Versicherungszeiten), nicht darum wann diese erstmals beginnen kann. Bestand nach dem aktuellen Recht noch kein Rentenanspruch, bringt also ein übertrieben früher Rentenantrag nichts (ganz anders einzuschätzen, wenn schon ein Rentenanspruch dem Grunde nach besteht, prüfen Sie weiter oben mit unserem Rentenbeginn-Rechner).

Was bedeutet das für Ihre Rentenplanung?

Die Reformvorschläge sind noch kein Gesetz. Aber die politischen Signale sind klar: Es ist heute kaum noch davon auszugehen, dass die abschlagsfreie Rente nach 45 Jahren dauerhaft erhalten bleibt oder die Altersgrenzen unverändert bleiben – es sei denn, der politische Gegenwind wird zu stark. Wir vermuten, dass die Rente wegen der 45 Beitragsjahre womöglich nicht sofort vollständig abgeschafft wird sondern zunächst das Eintrittsalter noch angehoben wird, vielleicht gekoppelt an eine Art “Berufsunfähigkeit” – aber darauf kann man sich nicht verlassen.

Wer zu den Jahrgängen ab 1965 gehört und heute noch erwerbstätig ist, sollte seine individuelle Situation frühzeitig prüfen und leider in Betracht ziehen müssen, dass die Rente womöglich erst später beginnt.

Unsere Meinung

  • Wenn Sie unter 60 Jahre alt sind: Rechnen Sie realistisch mit einer Erhöhung der Altersgrenzen und dem Wegfall der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren. Rechnen Sie Szenarien mit Abschlag durch, informieren Sie sich zu den Rentenansprüchen. Die Rentenreform wird je jünger Sie sind umso wahrscheinlicher voll greifen.
  • Wenn Sie 60–65 Jahre alt sind: Sie haben gute bis sehr gute Chancen auf (einen gewissen) Vertrauensschutz. Aber: Prüfen Sie, ob Altersteilzeit oder andere Modelle sinnvoll sind. Beantragen Sie vielleicht Ihre vorgezogene Altersrente zu Wahrung der Frist und warten Sie den weiteren Verlauf ab, solange es möglich und sinnhaft ist. Dies gilt vor allem, wenn Sie die 45 Jahre erfüllen aber auch die Flexirente ab 63 sinnvoll sein kann. Lassen Sie sich unbedingt beraten vor allem ab dem 63. Lebensjahr.
  • Wenn Sie 66+ Jahre alt sind: Sie sollten bereits Ihre Rentenstrategie haben. Im Zweifel: Beantragen Sie Ihre Altersrente zur Wahrung der Frist und lassen Sie sich beraten, zur Flexirente etc.

Nutzen Sie professionelle Beratung

Kostenloses Angebot:

  • Beratung bei der Deutschen Rentenversicherung (DRV): Kostenlos, aber nicht Ihre Interessen vertretend
  • Beratung bei den Gemeinden: Kostenlos, nicht umfangreich ausgebildet, nicht Ihre Interessen vertretend
  • Internetrecherche, bitte nicht nur KI-Chats: teils kostenlos, aber wie so oft drei Quellen, vier Meinungen, niemals umfassende und rechtssichere Auskunft für Ihren Einzelfall.

Gebührenpflichtig, aber hoch spezialisiert:

  • Unabhängige Rentenberater: kostenpflichtig, Beratung ausschließlich in Ihrem Interesse

Informieren Sie sich regelmäßig

Die Reform ist in Bewegung. Es ist sinnvoll, sich zu informieren – aber auch nicht, sich täglich in News-Streams zu verlieren.

Gute Quellen:

  • Deutsche Rentenversicherung (www.drv.de): Offizielle Infos
  • Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS): Gesetzesentwürfe
  • Bundeszentrale für Politische Bildung: Neutrale Erklärvideos
  • Seriöse Medien: Nicht Clickbait-Seiten, sondern etablierte Zeitungen
  • Blogbeiträge bei Fachleuten wie Rentenberaten

 Was Sie nicht machen sollten:

  • Täglich Nachrichten lesen und Angst aufbauen
  • YouTubern und “Internet-Experten” vertrauen, die aber keine gerichtlich zugelassenen oder registrierten Rentenberater sind
  • Entscheidungen übereifrig treffen, bevor die Reform final ist (außer Sie sind sehr nah am Renteneintritt)

Über die Autorin

Claudia Mößner – Diplom-Verwaltungswirtin (FH) und gerichtlich registrierte Rentenberaterin nach § 10 RDG

Claudia Mößner ist seit mehr als 25 Jahren im Sozialversicherungs- und Rentenrecht tätig. Nach ihrem Studium des Sozialversicherungsrechts mit Schwerpunkt Rentenversicherung und dem Abschluss als Diplom-Verwaltungswirtin (FH) ist sie seit 2002 als Rentenberaterin tätig. 

Sie verfügt über eine gerichtliche Registrierung als Rentenberaterin nach § 10 RDG und ist registrierte Erlaubnisinhaberin mit Alterlaubnis. Neben ihrer praktischen Beratungstätigkeit ist sie regelmäßig gefragte Rentenexpertin mit Auftritten beim BR.

Gemeinsam mit dem Rentenberater Norbert Loos hat sie RentenExperts gegründet. Ziel des gemeinsamen Angebots ist es, die langjährige Erfahrung aus der persönlichen Rentenberatung mit einer digitalisierten und deutschlandweit verfügbaren Begleitung von Rentenanträgen zu verbinden.

Die persönliche Rentenberatung in der eigenen Kanzlei und das Angebot von RentenExperts bestehen dabei nebeneinander. RentenExperts richtet sich insbesondere an Versicherte, die ihren Rentenantrag nicht selbst bearbeiten möchten und eine professionelle Begleitung von der Vorbereitung und Antragstellung bis zum Rentenbescheid wünschen.

Claudia Mößner ist Mitglied im Bundesverband der Rentenberater e. V.

Mehr über die Autorin und ihren beruflichen Werdegang →

Häufig gestellte Fragen

Was ist die Rentenreform 2026 und welche Änderungen plant die Rentenkommission?

Die Rentenreform 2026 bezeichnet die Vorschläge der Alterssicherungskommission (Rentenkommission) aus Juni 2026 zur gesetzlichen Rentenversicherung, die bislang noch nicht als Gesetz beschlossen sind. Im Mittelpunkt stehen aus Leistungssicht drei zentrale Änderungen:

  • eine dynamische, an die Lebenserwartung gekoppelte Anhebung der Regelaltersgrenze (das gesetzlich festgelegte Alter für den Bezug der ungekürzten Altersrente) über 67 Jahre hinaus,
  • die vollständige Abschaffung der abschlagsfreien Altersrente für besonders langjährig Versicherte nach 45 Beitragsjahren (oft „Rente mit 63“ genannt),
  • die Anhebung des Eintrittsalters für die Altersrente für langjährig Versicherte von 63 auf 64 Jahre.

Die Koalition aus CDU/CSU und SPD orientiert sich an diesen Empfehlungen; eine Umsetzung wird derzeit frühestens für das Jahr 2027 erwartet.

Wann tritt die Rentenreform 2026 voraussichtlich in Kraft?

Die Rentenreform 2026 ist aktuell noch nicht in Kraft, denn bislang liegt nur der Bericht der Rentenkommission vor, der sich in der allgemein-politischen Diskussion zwischen Parteien und Verbänden befindet. Erste Gesetzesentwürfe von Bundesregierung und Bundestag werden bereits im Herbst 2026 erwartet. Ein neues Gesetz könnte frühestens 2027 in Kraft treten. Der Rücktritt der Bundesministerin Bärbel Bas und der damit verbundene Wechsel an der Spitze des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) lassen derzeit vermuten, dass sich die Reform verzögert.

Kommt die Rente mit 70?

Eine Rente erst mit 70 Jahren ist nach aktuellem Stand nicht das wahrscheinlichste Szenario. Die Rentenkommission hat zwar Modelle vorgelegt, die rechnerisch bis zum 70. Lebensjahr reichen können, realistischer gilt jedoch eine schrittweise Anhebung der Regelaltersgrenze auf etwa 68 Jahre. Nicht alle Jahrgänge wären gleich betroffen, da ältere Jahrgänge regelmäßig Vertrauensschutz erhalten – also Schutz vor einer nachträglichen Verschlechterung bereits erworbener oder nahe bevorstehender Ansprüche. Der Jahrgang 1964 und älter dürfte vollen Vertrauensschutz auf die bisherige Regelaltersgrenze von 67 Jahren behalten, während für die Jahrgänge 1965 bis 1970 eine stufenweise Anhebung auf etwa 67 Jahre und sechs Monate bis 68 Jahre diskutiert wird.

Steigt das Eintrittsalter für die Altersrente für langjährig Versicherte von 63 auf 64 Jahre?

Ja, die Rentenkommission empfiehlt, das früheste Eintrittsalter für die Altersrente für langjährig Versicherte (35 Versicherungsjahre, § 36 SGB VI) zeitnah von 63 auf 64 Jahre anzuheben. Anschließend soll die Altersgrenze parallel zur neuen dynamischen Regelaltersgrenze steigen und stets einen Abstand von drei Jahren zu dieser wahren. Nach ersten Einschätzungen könnte die Anhebung die Jahrgänge 1968 und 1969 betreffen, die heute bereits 58 Jahre alt sind und frühestens in fünf Jahren von der vorgezogenen Altersrente Gebrauch machen könnten.

Fällt die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren weg?

Die Rentenkommission schlägt vor, die Altersrente für besonders langjährig Versicherte nach 45 Beitragsjahren (§§ 38, 236b SGB VI) vollständig abzuschaffen. Diese Rentenart wird umgangssprachlich oft „Rente mit 63“ genannt, ist aber schon heute wegen der schrittweisen Anhebung kaum noch vor dem 65. Lebensjahr nutzbar. Möglich ist eine Härtefallregelung für Versicherte, die ihren zuletzt dauerhaft ausgeübten Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben können. Nach erster Einschätzung dürfte der Wegfall frühestens die Jahrgänge 1967/1968 betreffen; denkbar ist auch eine schrittweise Anhebung statt eines plötzlichen Wegfalls.

Wer genießt bei der Rentenreform 2026 Vertrauensschutz?

Vertrauensschutz bedeutet, dass der Gesetzgeber Versicherte nicht ohne Weiteres schlechterstellen darf, wenn diese bereits konkrete Schritte auf Grundlage der geltenden Rechtslage unternommen haben. Nach einem ersten Vorschlag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) aus August 2026 soll Vertrauensschutz insbesondere Geburtsjahrgängen bis einschließlich 1971 zugutekommen, die bis zu einem noch unbestimmten Stichtag eine Altersteilzeitvereinbarung (ATZ) nach dem Altersteilzeitgesetz abgeschlossen haben. Für Versicherte, die bereits 45 Beitragsjahre erfüllt haben, ist bei einer Abschaffung der abschlagsfreien Rente ebenfalls eine Übergangsregelung denkbar. Dieser BMAS-Vorschlag befindet sich noch nicht in der politischen Beratung. Historisch haben vor allem arbeitsrechtliche Dispositionen wie Altersteilzeitvereinbarungen Vertrauensschutz begründet, eine bloße Rentenauskunft oder ein früh gestellter Rentenantrag dagegen nicht.

Hilft es, schon jetzt vorsorglich einen Rentenantrag zu stellen?

Nein, ein weit vor dem eigentlichen Rentenbeginn gestellter Rentenantrag bringt grundsätzlich keinen rechtlichen Vorteil. Nach § 300 SGB VI gilt stets das Recht, das am Tag des tatsächlichen Rentenbeginns in Kraft ist. Eine Ausnahme regelt § 300 Absatz 2 SGB VI: Danach kann für eine kurze Übergangszeit nach einer Rechtsänderung noch nach dem alten Recht „behandelt“ werden – allerdings nur, wenn bereits vor der Rechtsänderung ein Rentenanspruch dem Grunde nach bestand. Bestand nach aktuellem Recht noch kein Rentenanspruch, nützt ein verfrühter Rentenantrag also nichts.

Was sollte ich abhängig von meinem Alter jetzt wegen der Rentenreform 2026 tun?

Welche Schritte sinnvoll sind, hängt vom eigenen Alter ab. Grundsätzlich gilt für Versicherte abhängig von ihrer Altersgruppe:

  • Unter 60 Jahre: Rechnen Sie realistisch mit höheren Altersgrenzen und dem Wegfall der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren, rechnen Sie Szenarien mit Abschlag durch und informieren Sie sich über Ihre voraussichtlichen Rentenansprüche.
  • 60 bis 65 Jahre: Sie haben gute bis sehr gute Chancen auf Vertrauensschutz. Prüfen Sie, ob eine Altersteilzeitvereinbarung oder die Flexirente (ein flexibler, schrittweiser Teilrentenbezug neben Weiterarbeit) ab 63 sinnvoll ist, und lassen Sie sich insbesondere ab dem 63. Lebensjahr beraten.
  • 66 Jahre und älter: Sie sollten bereits eine Rentenstrategie haben. Beantragen Sie im Zweifel Ihre Altersrente zur Fristwahrung und lassen Sie sich zur Flexirente beraten.

In jedem Fall gilt: Informieren Sie sich bei offiziellen Quellen wie der Deutschen Rentenversicherung oder dem BMAS, statt sich auf nicht registrierte Internet-„Experten“ zu verlassen.

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